Landwirtschaft - Grundlagengedanken

Landwirtschaft als Klimakiller?

 

Die Hälfte der Fläche unserer Heimat wird landwirtschaftlich genutzt. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Klimabilanz wie die Artenvielfalt im Landkreis.

 

Landwirte als Partner!

Viele Landwirte fühlen sich durch das Bienenbegehren, die Klimaschutzforderungen oder die Sorge um gesunde Lebensmittel an den Pranger gestellt. Dabei tun sie alle einen immens wichtigen Job unter sehr schwierigen Bedingungen. Bei geringen Verdienstmöglichkeiten müssen sie hohe unternehmerische Risiken und immense Zeitbelastung auf sich nehmen. In ihrer Verantwortung für unser aller Landschaft, Klima, Gesundheit und Natur haben wir sie zu unterstützen, nicht zu belehren. Und wir haben alle für eine gerechte und zielführende Förderung durch die Politik zu kämpfen.

Gerhard Weißhäupl erzeugt beinahe alles selbst - ein toller Partner für die Region

 

Herausforderung Artenvielfalt

Der Besorgnis erregende Rückgang gerade bei den Insekten ist mit ziemlicher Sicherheit und zu einem bedeutenden Teil auf die industrialisierte Landwirtschaft zurückzuführen. An dieser Einsicht kommen wir nicht vorbei - und müssen jetzt zusammen handeln. Schwindende Lebensräume blühender und Unterschlupf bietender Wiesen, Gestrüppe, Gehölze gehen auch auf das Konto von Baumaßnahmen und Flächenversiegelung, aber ebenso auf Monokulturen und Flurbereinigung.

 

Äcker als Klimakiller oder Klimaretter?

Unsere Ackerflächen speichern in ihrem Humus bedeutend mehr Kohlenstoff als die Wälder. Sie nehmen CO2 über die Pflanzen auf und geben ihn mit Mikroorganismen über Zersetzungsprozesse wieder ab. Die Bewirtschaftungspraxis macht Ackerflächen bei uns in Summe zu Kohlenstoffquellen. Monokulturen, oftmals fehlende Zwischenfrüchte, Abnahme der Humusmenge, monatelang entblößte Äcker und Pflügen führen zu diesem enormen Klimaproblem. Würden all diese Faktoren durch eine nachhaltigere und um Humusaufbau bemühte Praxis ins Gegenteil verkehrt, könnten schnell unsere landwirtschaftlich genutzten Böden Klimasenken werden, die gar die gesamten CO2-Ausscheidugen der Industrie aufnehmen könnten. Die französische Regierung hat daher - leider weitgehend folgenlos - bei Pariser Klimagipfel mit dem '4-Promille-Ziel' die Vorgabe formuliert, über die Einlagerung von zusätzlichen 4 Promille Kohlenstoff in eine klimafreundlich justierte Landwirtschaft enorme Mengen CO2 zu binden.

Oder auf unseren Ackerboden bezogen: Ein Acker mit hundert Quadratmetern und einem Humusgehalt von einem Prozent speichert rund 0,3 Tonnen Kohlenstoff, das entspricht etwa einer Tonne Kohlendioxid. Jedes Prozent mehr Humus speichert folglich eine weitere Tonne des Treibhausgases. Deutsche Bauern bewirtschaften insgesamt zwölf Millionen Hektar Fläche. Würden sie alle den Humusgehalt ihrer Böden um nur ein Prozent erhöhen, würde das die Atmosphäre um fast zehn Milliarden Tonnen CO2 entlasten – das ist mehr als das Zehnfache des jährlichen Gesamt-Ausstoßes des Treibhausgases in Deutschland.                                          Hans-Peter Schmidt, Delinat-Institut, Wallis

Global monetär berechnet: McKinsey hat schon 2009 die Kohlenstoff-Sequestrierung als kosteneffizienteste Methode der CO2-Reduzierung in der Atmosphäre beschrieben: Würden die Bauern für einen durchschnittlichen Humusaufbau von 0,03% pro Jahr ( 1 t C/ha) entsprechend der Kosten für eine CO2-Speicherung nach CCS über CO2-Zertifikate gefördert, könnten sie mit jährlichen Einnahmen zwischen $210 und $360 pro Hektar rechnen.

Tatsächlich bringen viele Landwirte heute nur noch Mineraldünger aus. Der nährt zwar die Pflanzen, nicht aber das Bodenleben. Auch die pfluglose Bodenbearbeitung, bei der der Acker mit Glyphosat unkrautfrei für die nächste Aussaat gemacht wird, hat keine positive Wirkung für den Humusaufbau, bestätigt die Agrarwissenschaftlerin Andrea Beste den Bodenzustands-Bericht des Thünen-Instituts für das Bundeslandwirtschaftsministerium*. „Das hat sehr viel mehr damit zu tun, wieviel Kohlenstoff ich in den Boden reinbringe über organische Düngung oder über vernünftige Fruchtfolge. Was ich danach mit dem Kohlenstoff mache, ob ich den durchrühre mit dem Pflug, dann finde ich ihn auch in tieferen Bodenschichten, oder ob ich ihn weiter oben an der Oberfläche liegenlasse, wie beim Pflugverzicht – insgesamt macht das keinen Unterschied für die Kohlenstoffspeicherung im Boden.“ Je humusreicher ihre Böden sind, desto klimafreundlicher produziert die Landwirtschaft. Der Bericht liest sich insgesamt wie ein Plädoyer für mehr Agrarökologie in der Landwirtschaft. Durch langjährigen Zwischenfruchtanbau konnten die Vorräte an organischem Kohlenstoff in Ackerböden innerhalb von 20 Jahren im Mittel um 8 t C ha-1 im Oberboden gesteigert werden (Poeplau & Don 2015).

Der Bericht sagt: Klimaschutz beginnt mit den Nährstoffwirkungen der humusfördernden Maßnahmen. Auf- und Abbau von Humus sind direkt verbunden mit der Festlegung und Freisetzung von Nährstoffen. Das Humusmanagement zählt daher zu den wichtigsten Stellschrauben der Dün- gung. Ein effizientes und verlustarmes Nährstoffrecycling ist oberstes Gebot und das zentrale Ziel entlang des Weges des Humusaufbaus in landwirtschaftlich genutzten Böden. Die Herstellung von synthetischen Düngern ist mit hohen Treibhausgasemissionen verbunden, das gilt ganz besonders für Stickstoffdünger. Viele Maßnahmen für den Humuserhalt und -aufbau in Böden leisten in erster Linie über das Nährstoffrecycling und die Einspa- rung von synthetischen Düngern einen Beitrag zum Klimaschutz. Doch es ist Vorsicht geboten: Leicht werden aus Klimaschutzpotenzialen organischer Wirtschaftsdün- ger erhebliche Klimabelastungen, wenn Nährstoffüber- schüsse auftreten und im Stall, bei der Lagerung und Ausbringung umwelt- und klimabelastende Ammoniak-, Lachgas- und Methanemissionen entstehen. Auch Zwi- schenfrüchte und Untersaaten helfen, Nährstoffe z.B. mineralischen Stickstoff im Boden zu binden, die Stick- stoffauswaschung zu mindern und synthetischen Stick- stoffdünger in der Fruchtfolge einzusparen. Maximaler Klimaschutz durch optimales Humusmanagement ist daher eine umfassende betriebliche Herausforderung.  BMLE Bodenzustandsbericht, S.42

Die wichtigsten Maßnahmen:

  1. Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten für eine möglichst ganzjährige Begrünung des Bodens
  2. Anbau mehrjähriger Kulturen wie z. B. Kleegras
  3. Verbleib von Ernteresten auf dem Acker
  4. hohes und sicheres Ertragsniveau, das auch die Erzeugung von Ernterückständen einschließt.
  5. Hecken und Feldgehölze
  6. Dauer-Grünland speichert deutlich mehr CO2 im Boden
  7. Agroforstsysteme speichern 18% mehr Kohlenstoff im Boden als Äcker mit annuellen Pflanzen, außerdem erhöhen sie Biodiversität, Dürreschutz, Erosionsschutz

 

Kunstdünger und Pestizide

Eine Wirtschaftsweise, die die Humusmenge ständig reduziert, ist oftmals Realität und erfordert ebenso beständig immer höhere Mengen an Kunstdünger - ein sehr lukratives Wirtschaftsmodell - für Agrarkonzerne. Zusätzliche Klimaschäden entstehen bei der Energie-intensiven Herstellung vor allem der Stickstoffdünger und in noch größerem Maße über das Freiwerden von NO2 - Lachgas - durch den nicht von den Pflanzen aufgenommenen Kunstdünger auf dem Feld. Monokulturen, fehlende Insektenhabitate auf zu großen Ackerflächen und andere Fehlentwicklung erfordern kostenintensiven Pestizid- und Herbizideinsatz, der die Gesundheit der Landwirte, aber auch der Anwohner und Konsumenten gefährdet. Auch unkonventionelle Modelle wie Agroforst-Praxis mit Pionierbaum-Streifen wie die Pappel sollten zur Verbesserung so vieler Bedingungen von Ackerbau gedacht werden. Mit derartigen Modellen lassen sich Artenvielfalt, Wind- und Trockenheitsschutz oder Humusaufbau  verbessern, gleichzeitig Kosten für Dünger oder Pestizide einsparen, was die etwas geringere Ackerfläche und aufwändigere Bodenbewirtschaftung ausgleichen hilft.

 

Win-Win-Wege

Eine Nachjustierung von landwirtschaftlicher Praxis schwebt auch vielen Landwirten vor. Da der Nutzen einer klima- und artenfreundlicheren Landwirtschaft allen zugute kommt, sollte eine lokale Gesellschaft unterstützend - etwa in genossenschaftlichen Beteiligungen - sich einbringen. Die Risiken von Umstellung, der Organisationsaufwand und Investitionsbedarf sollte nicht am Bauern alleine 'hängenbleiben', sondern auch Anwohner, Konsumenten, Einzelhändler etc. beteiligen können. So könnte solidarisches Gärtnern, genossenschaftliche Beteiligung, Abnahmeverträge für Produkte Raum für eine unterstützende Vernetzung sein, die Landwirten sichere und an ihrer Leistung orientierten Verdienst ermöglicht. Gleichwohl hat eine starke innovative und nachhaltige Region die Forderung nach nachhaltiger staatlicher und europäischer Unterstützung der Landwirtschaft - nicht nach Fläche - zu erheben. Humus-Zertifikate wie in der Ökoregion Kaindorf sind sehr gute Wege, Kosten und Nutzen einer klimaschonenden Landwirtschaft regional zu teilen.

 

Link:

Bodenschutz

 

Kohlenstoffsequestrierung durch Agroforst oder Hecken

Globale Fallstudien zeigen, dass die Umwandlung von Acker in Agroforst die Bodenkohlenstoffvorräte signifikant erhöht (De Stefano & Jacobson, 2018).

Aufforstungen von Ackerland führen im Mittel immer zu deutlichen Anreicherungen von Boden- kohlenstoff (Laganiére et al., 2010; Poeplau et al., 2011). Über einen Zeitraum von 100 Jahren können die Kohlenstoffvorräte im Boden nahezu verdoppelt werden. Etwa ein Drittel des Bodenkohlenstoffs in den Aufforstungen ist allerdings in der Streuauflage des Waldes gebunden und damit recht labil und störungsanfällig.

Aufforstungen von Grünland führen im Mittel zu keinen signifikanten Veränderungen der Bodenkohlenstoffvorräte. Eine C-Sequestrierung findet dort nur in der Biomasse der Bäume und in der Streuauflage statt (Poeplau et al., 2011). Die Anlage von Agroforstsystemen auf Grünland als C-Sequestrierungsmaßnahme ist deshalb für die Bodenkohlenstoffsequestrierung nicht zielfüh- rend. In der Biomasse kommt es aber zu einer C-Sequestrierung.

In Deutschland werden derzeit jährlich > 1 Mio. t CO2-Eqiv. aus entwässerten Moorwäldern emittiert, so dass hier ein Minderungspotenzial besteht. Forstwirtschaft, Agroforstsysteme oder Kurzumtriebsplantagen auf organischen Böden sind langfristig nur dann eine C-Senke, wenn der Torf durch hohe Wasserstände geschützt wird.

Hecken und Feldgehölze gehören zu den wichtigsten Strukturen in Agrarlandschaften, die sowohl zentrale Bedeutung für den Bodenschutz (z.B. Erosionsschutz) als auch für die Biodiversität und den Biotopverbund haben. Unter Hecken in Schleswig-Holstein wurden im Vergleich zu den angrenzenden Äckern 66% höhere Bodenkohlenstoffvorräte ermittelt (Paulsen & Bauer, 2009), und auch eine französische Studie fand 13 bis 38% höhere Bodenkohlenstoffvorräte als Heckeneffekt (Walter et al., 2003). Zusätzlich wird in der Biomasse der Hecken durchschnittlich rund 47 Mg C ha-1 gebunden (UBA, 2016b). Diese Werte sind Abschätzungen und Einzelstudien, verdeutlichen aber das große Potenzial, durch Anlage neuer Hecken Klimaschutz, Erosionsschutz und Biotopschutz gleichzeitig zu fördern. Um repräsentativ für verschiedenen Heckentypen und verschiedenes Heckenmanagement C-Sequestrierungspotenziale zu ermitteln, sind aber weitere Forschungsarbeiten nötig.

Thünen WorkingPaper 112, 2016, S.19

 

Agroforst - Acker & Gehölz

 

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Landwirtschaft - Grundlagengedanken

Landwirtschaft als Klimakiller?

 

Die Hälfte der Fläche unserer Heimat wird landwirtschaftlich genutzt. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Klimabilanz wie die Artenvielfalt im Landkreis.

 

Landwirte als Partner!

Viele Landwirte fühlen sich durch das Bienenbegehren, die Klimaschutzforderungen oder die Sorge um gesunde Lebensmittel an den Pranger gestellt. Dabei tun sie alle einen immens wichtigen Job unter sehr schwierigen Bedingungen. Bei geringen Verdienstmöglichkeiten müssen sie hohe unternehmerische Risiken und immense Zeitbelastung auf sich nehmen. In ihrer Verantwortung für unser aller Landschaft, Klima, Gesundheit und Natur haben wir sie zu unterstützen, nicht zu belehren. Und wir haben alle für eine gerechte und zielführende Förderung durch die Politik zu kämpfen.

Gerhard Weißhäupl erzeugt beinahe alles selbst - ein toller Partner für die Region

 

Herausforderung Artenvielfalt

Der Besorgnis erregende Rückgang gerade bei den Insekten ist mit ziemlicher Sicherheit und zu einem bedeutenden Teil auf die industrialisierte Landwirtschaft zurückzuführen. An dieser Einsicht kommen wir nicht vorbei - und müssen jetzt zusammen handeln. Schwindende Lebensräume blühender und Unterschlupf bietender Wiesen, Gestrüppe, Gehölze gehen auch auf das Konto von Baumaßnahmen und Flächenversiegelung, aber ebenso auf Monokulturen und Flurbereinigung.

 

Äcker als Klimakiller oder Klimaretter?

Unsere Ackerflächen speichern in ihrem Humus bedeutend mehr Kohlenstoff als die Wälder. Sie nehmen CO2 über die Pflanzen auf und geben ihn mit Mikroorganismen über Zersetzungsprozesse wieder ab. Die Bewirtschaftungspraxis macht Ackerflächen bei uns in Summe zu Kohlenstoffquellen. Monokulturen, oftmals fehlende Zwischenfrüchte, Abnahme der Humusmenge, monatelang entblößte Äcker und Pflügen führen zu diesem enormen Klimaproblem. Würden all diese Faktoren durch eine nachhaltigere und um Humusaufbau bemühte Praxis ins Gegenteil verkehrt, könnten schnell unsere landwirtschaftlich genutzten Böden Klimasenken werden, die gar die gesamten CO2-Ausscheidugen der Industrie aufnehmen könnten. Die französische Regierung hat daher - leider weitgehend folgenlos - bei Pariser Klimagipfel mit dem '4-Promille-Ziel' die Vorgabe formuliert, über die Einlagerung von zusätzlichen 4 Promille Kohlenstoff in eine klimafreundlich justierte Landwirtschaft enorme Mengen CO2 zu binden.

Oder auf unseren Ackerboden bezogen: Ein Acker mit hundert Quadratmetern und einem Humusgehalt von einem Prozent speichert rund 0,3 Tonnen Kohlenstoff, das entspricht etwa einer Tonne Kohlendioxid. Jedes Prozent mehr Humus speichert folglich eine weitere Tonne des Treibhausgases. Deutsche Bauern bewirtschaften insgesamt zwölf Millionen Hektar Fläche. Würden sie alle den Humusgehalt ihrer Böden um nur ein Prozent erhöhen, würde das die Atmosphäre um fast zehn Milliarden Tonnen CO2 entlasten – das ist mehr als das Zehnfache des jährlichen Gesamt-Ausstoßes des Treibhausgases in Deutschland.                                          Hans-Peter Schmidt, Delinat-Institut, Wallis

Global monetär berechnet: McKinsey hat schon 2009 die Kohlenstoff-Sequestrierung als kosteneffizienteste Methode der CO2-Reduzierung in der Atmosphäre beschrieben: Würden die Bauern für einen durchschnittlichen Humusaufbau von 0,03% pro Jahr ( 1 t C/ha) entsprechend der Kosten für eine CO2-Speicherung nach CCS über CO2-Zertifikate gefördert, könnten sie mit jährlichen Einnahmen zwischen $210 und $360 pro Hektar rechnen.

Tatsächlich bringen viele Landwirte heute nur noch Mineraldünger aus. Der nährt zwar die Pflanzen, nicht aber das Bodenleben. Auch die pfluglose Bodenbearbeitung, bei der der Acker mit Glyphosat unkrautfrei für die nächste Aussaat gemacht wird, hat keine positive Wirkung für den Humusaufbau, bestätigt die Agrarwissenschaftlerin Andrea Beste den Bodenzustands-Bericht des Thünen-Instituts für das Bundeslandwirtschaftsministerium*. „Das hat sehr viel mehr damit zu tun, wieviel Kohlenstoff ich in den Boden reinbringe über organische Düngung oder über vernünftige Fruchtfolge. Was ich danach mit dem Kohlenstoff mache, ob ich den durchrühre mit dem Pflug, dann finde ich ihn auch in tieferen Bodenschichten, oder ob ich ihn weiter oben an der Oberfläche liegenlasse, wie beim Pflugverzicht – insgesamt macht das keinen Unterschied für die Kohlenstoffspeicherung im Boden.“ Je humusreicher ihre Böden sind, desto klimafreundlicher produziert die Landwirtschaft. Der Bericht liest sich insgesamt wie ein Plädoyer für mehr Agrarökologie in der Landwirtschaft. Durch langjährigen Zwischenfruchtanbau konnten die Vorräte an organischem Kohlenstoff in Ackerböden innerhalb von 20 Jahren im Mittel um 8 t C ha-1 im Oberboden gesteigert werden (Poeplau & Don 2015).

Der Bericht sagt: Klimaschutz beginnt mit den Nährstoffwirkungen der humusfördernden Maßnahmen. Auf- und Abbau von Humus sind direkt verbunden mit der Festlegung und Freisetzung von Nährstoffen. Das Humusmanagement zählt daher zu den wichtigsten Stellschrauben der Dün- gung. Ein effizientes und verlustarmes Nährstoffrecycling ist oberstes Gebot und das zentrale Ziel entlang des Weges des Humusaufbaus in landwirtschaftlich genutzten Böden. Die Herstellung von synthetischen Düngern ist mit hohen Treibhausgasemissionen verbunden, das gilt ganz besonders für Stickstoffdünger. Viele Maßnahmen für den Humuserhalt und -aufbau in Böden leisten in erster Linie über das Nährstoffrecycling und die Einspa- rung von synthetischen Düngern einen Beitrag zum Klimaschutz. Doch es ist Vorsicht geboten: Leicht werden aus Klimaschutzpotenzialen organischer Wirtschaftsdün- ger erhebliche Klimabelastungen, wenn Nährstoffüber- schüsse auftreten und im Stall, bei der Lagerung und Ausbringung umwelt- und klimabelastende Ammoniak-, Lachgas- und Methanemissionen entstehen. Auch Zwi- schenfrüchte und Untersaaten helfen, Nährstoffe z.B. mineralischen Stickstoff im Boden zu binden, die Stick- stoffauswaschung zu mindern und synthetischen Stick- stoffdünger in der Fruchtfolge einzusparen. Maximaler Klimaschutz durch optimales Humusmanagement ist daher eine umfassende betriebliche Herausforderung.  BMLE Bodenzustandsbericht, S.42

Die wichtigsten Maßnahmen:

  1. Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten für eine möglichst ganzjährige Begrünung des Bodens
  2. Anbau mehrjähriger Kulturen wie z. B. Kleegras
  3. Verbleib von Ernteresten auf dem Acker
  4. hohes und sicheres Ertragsniveau, das auch die Erzeugung von Ernterückständen einschließt.
  5. Hecken und Feldgehölze
  6. Dauer-Grünland speichert deutlich mehr CO2 im Boden
  7. Agroforstsysteme speichern 18% mehr Kohlenstoff im Boden als Äcker mit annuellen Pflanzen, außerdem erhöhen sie Biodiversität, Dürreschutz, Erosionsschutz

 

Kunstdünger und Pestizide

Eine Wirtschaftsweise, die die Humusmenge ständig reduziert, ist oftmals Realität und erfordert ebenso beständig immer höhere Mengen an Kunstdünger - ein sehr lukratives Wirtschaftsmodell - für Agrarkonzerne. Zusätzliche Klimaschäden entstehen bei der Energie-intensiven Herstellung vor allem der Stickstoffdünger und in noch größerem Maße über das Freiwerden von NO2 - Lachgas - durch den nicht von den Pflanzen aufgenommenen Kunstdünger auf dem Feld. Monokulturen, fehlende Insektenhabitate auf zu großen Ackerflächen und andere Fehlentwicklung erfordern kostenintensiven Pestizid- und Herbizideinsatz, der die Gesundheit der Landwirte, aber auch der Anwohner und Konsumenten gefährdet. Auch unkonventionelle Modelle wie Agroforst-Praxis mit Pionierbaum-Streifen wie die Pappel sollten zur Verbesserung so vieler Bedingungen von Ackerbau gedacht werden. Mit derartigen Modellen lassen sich Artenvielfalt, Wind- und Trockenheitsschutz oder Humusaufbau  verbessern, gleichzeitig Kosten für Dünger oder Pestizide einsparen, was die etwas geringere Ackerfläche und aufwändigere Bodenbewirtschaftung ausgleichen hilft.

 

Win-Win-Wege

Eine Nachjustierung von landwirtschaftlicher Praxis schwebt auch vielen Landwirten vor. Da der Nutzen einer klima- und artenfreundlicheren Landwirtschaft allen zugute kommt, sollte eine lokale Gesellschaft unterstützend - etwa in genossenschaftlichen Beteiligungen - sich einbringen. Die Risiken von Umstellung, der Organisationsaufwand und Investitionsbedarf sollte nicht am Bauern alleine 'hängenbleiben', sondern auch Anwohner, Konsumenten, Einzelhändler etc. beteiligen können. So könnte solidarisches Gärtnern, genossenschaftliche Beteiligung, Abnahmeverträge für Produkte Raum für eine unterstützende Vernetzung sein, die Landwirten sichere und an ihrer Leistung orientierten Verdienst ermöglicht. Gleichwohl hat eine starke innovative und nachhaltige Region die Forderung nach nachhaltiger staatlicher und europäischer Unterstützung der Landwirtschaft - nicht nach Fläche - zu erheben. Humus-Zertifikate wie in der Ökoregion Kaindorf sind sehr gute Wege, Kosten und Nutzen einer klimaschonenden Landwirtschaft regional zu teilen.

 

Link:

Bodenschutz

 

Kohlenstoffsequestrierung durch Agroforst oder Hecken

Globale Fallstudien zeigen, dass die Umwandlung von Acker in Agroforst die Bodenkohlenstoffvorräte signifikant erhöht (De Stefano & Jacobson, 2018).

Aufforstungen von Ackerland führen im Mittel immer zu deutlichen Anreicherungen von Boden- kohlenstoff (Laganiére et al., 2010; Poeplau et al., 2011). Über einen Zeitraum von 100 Jahren können die Kohlenstoffvorräte im Boden nahezu verdoppelt werden. Etwa ein Drittel des Bodenkohlenstoffs in den Aufforstungen ist allerdings in der Streuauflage des Waldes gebunden und damit recht labil und störungsanfällig.

Aufforstungen von Grünland führen im Mittel zu keinen signifikanten Veränderungen der Bodenkohlenstoffvorräte. Eine C-Sequestrierung findet dort nur in der Biomasse der Bäume und in der Streuauflage statt (Poeplau et al., 2011). Die Anlage von Agroforstsystemen auf Grünland als C-Sequestrierungsmaßnahme ist deshalb für die Bodenkohlenstoffsequestrierung nicht zielfüh- rend. In der Biomasse kommt es aber zu einer C-Sequestrierung.

In Deutschland werden derzeit jährlich > 1 Mio. t CO2-Eqiv. aus entwässerten Moorwäldern emittiert, so dass hier ein Minderungspotenzial besteht. Forstwirtschaft, Agroforstsysteme oder Kurzumtriebsplantagen auf organischen Böden sind langfristig nur dann eine C-Senke, wenn der Torf durch hohe Wasserstände geschützt wird.

Hecken und Feldgehölze gehören zu den wichtigsten Strukturen in Agrarlandschaften, die sowohl zentrale Bedeutung für den Bodenschutz (z.B. Erosionsschutz) als auch für die Biodiversität und den Biotopverbund haben. Unter Hecken in Schleswig-Holstein wurden im Vergleich zu den angrenzenden Äckern 66% höhere Bodenkohlenstoffvorräte ermittelt (Paulsen & Bauer, 2009), und auch eine französische Studie fand 13 bis 38% höhere Bodenkohlenstoffvorräte als Heckeneffekt (Walter et al., 2003). Zusätzlich wird in der Biomasse der Hecken durchschnittlich rund 47 Mg C ha-1 gebunden (UBA, 2016b). Diese Werte sind Abschätzungen und Einzelstudien, verdeutlichen aber das große Potenzial, durch Anlage neuer Hecken Klimaschutz, Erosionsschutz und Biotopschutz gleichzeitig zu fördern. Um repräsentativ für verschiedenen Heckentypen und verschiedenes Heckenmanagement C-Sequestrierungspotenziale zu ermitteln, sind aber weitere Forschungsarbeiten nötig.

Thünen WorkingPaper 112, 2016, S.19

 

Agroforst - Acker & Gehölz